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Seit 1993 werden in Deutschland von einer Bund-Länder-Kommission1 Richtwerte
für die Innenraumluft herausgegeben. Dabei handelt es sich um toxikologisch begründete
Werte für Einzelstoffe oder Stoffgruppen. Mit den Richtwerten können Messergebnisse
in der Innenraumluft bewertet werden. Allerdings konnten bis zum Jahr 2007 kaum mehr
als 10 solcher Richtwerte veröffentlicht werden. Damit verblieb für den größten Teil
der in der Innenraumluft messbaren Stoffe die Bewertungsunsicherheit bestehen. Aus
der jahrzehntelangen Praxis der Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft ökologischer
Forschungsinstitute - AGÖF entwickelte sich ein Erfahrungswissen über das Vorkommen
von VOC und damit verbundenen gesundheitlichen Auffälligkeiten. Dabei wurden empirische
Beobachtungen durch medizinische und toxikologische Hinweise ergänzt. Als Hilfestellung
für die Bewertung von Innenraumluftmessungen wurden daraus statistisch abgeleitete
Auffälligkeitswerte für Raumluft und Haustaub ermittelt und 2004 zum ersten Mal als
AGÖF-Orientierungswerte der deutschen Fachöffentlichkeit vorgestellt. Mit den
Orientierungswerten können Messergebnisse bezüglich einer statistischen
Wahrscheinlichkeit eingestuft und damit in ihrer Relevanz für die Suche nach Ursachen
gesundheitlicher Beschwerden gewichtet werden. Eine gesundheitliche Bewertung von
Einzelstoffen ist mit den Orientierungswerten nicht möglich.
Die Veröffentlichung stieß auf großes Interesse und wurde unter anderem auf dem
AGÖF-Fachkolloquium "Innenraumstandards" 2005 in Bremen kontrovers diskutiert.
Ein Ergebnis der Diskussionen war ein Forschungsvorhaben der AGÖF mit dem
Umweltbundesamt, mit dem Titel "Bereitstellung einer Datenbank zum Vorkommen
von flüchtigen organischen Verbindungen in der Innenraumluft". Aus den Ergebnissen
dieses Forschungsvorhabens legte die AGÖF im Herbst 2007 eine überarbeitete Fassung
der Orientierungswerte für mehr als 150 flüchtige organische Substanzen vor.
In der Liste werden neben einem fünfzigsten und neunzigsten Perzentil zusätzlich ein
Orientierungswert aufgeführt. Dieser Orientierungswert gibt an, ab welchem Messwert
eine Substanz in der Innenraumluft auf Grund statistischer Auffälligkeit oder
toxikologischer oder olfaktorischen Erkenntnisse als problematisch zu werten ist.
Noch im Aktualisierungsvorgang befinden sich die "AGÖF-Orientierungswerte für
mittel- und schwerflüchtige organische Verbindungen und Schwermetalle im Hausstaub",
hier ist die derzeit gültige Fassung
aus dem Jahre 2004 zu finden.
Im Rahmen des Forschungsvorhabens wurden 6 wesentliche Anlässe für die Untersuchung
der Innenraumluft identifiziert. Neben der Abklärung von Gesundheitsbeschwerden,
reine Prävention, Belästigung durch Gerüche und Expositionsverdacht wurden
juristische Motive und Transfer der Immobilie als Gründe aufgeführt. Gesundheitliche
Beeinträchtigungen und Geruchsbelastungen können als die dominierenden Ursachen
herausgestellt werden.
In der Praxis liegen den Untersuchungsanlässen allerdings unterschiedliche und
teilweise sehr komplexe Einzelfragestellungen zugrunde. Eine wesentliche Aufgabe
des Gutachters ist es daher, in Abstimmung mit dem Auftraggeber zunächst die
Aufgabenstellung der Untersuchung zu definieren, um darauf die notwendige Mess- und
Bewertungsstrategie abzustimmen.
Zur Bewertung flüchtiger organischer Verbindungen (VOC)2 haben vor allem zwei
Arten von Bewertungsmaßstäben Bedeutung erlangt:
Beide Bewertungskonzepte beruhen auf Konventionen.
Toxikologisch abgeleitete Bewertungen führen zur Bildung von Richtwerten, die
gesundheitsbezogene Fragestellungen beantworten sollen. Im Experiment werden
Versuchstiere verschiedenen hohen Substanzkonzentrationen ausgesetzt um die
Konzentrationen zu finden, die keine erkennbaren Effekte auslösen. Ein alternativer
Ausgangspunkt für die Ableitungen von Richtwerten sind Erfahrungen aus
Arbeitsplatzuntersuchungen, bei denen Menschen relativ hohen Konzentrationen
ausgesetzt sind. Um die Wirkungen von Exposition im Niedrigdosisbereich des Innenraums
für empfindliche Bevölkerungsgruppen (Kleinkinder, kranke Menschen) abzubilden, wird
mit sog. Unsicherheitsfaktoren gearbeitet. Eine detailliertere Darstellung des
Vorgehens für die Ableitung von Richtwerten der sog. Ad-hoc-AG wurde 19963
veröffentlicht.
Bei diesen toxikologischen Ableitungen bleibt offen, in wieweit unspezifische
Gesundheitsstörungen wie Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen etc. in einem
Tierexperiment oder bei Untersuchungen an Laborarbeitsplätzen erkennbar sind. Bei
Innenraumbelastungen stellen unspezifischen Beschwerden die am häufigsten genannten
gesundheitlichen Probleme dar. In der Innenraumluft liegen in der Regel
Substanzgemische vor, die durch die toxikologische Ableitung allein nicht bewertet
werden können. Die Festlegung von Unsicherheitsfaktoren wie z.B. dem Hundertfachen
ist nicht mehr toxikologisch begründbar und beruht auf Konventionen. Der
vergleichsweise hohe Aufwand für die toxikologische Begründung ist ein wesentlicher
Grund für die geringe Zahl der zur Verfügung stehenden Richtwerte. Dieses Konzept
reicht nicht aus, um für die Vielzahl der Substanzen in der Innenraumluft eine
gesicherte Bewertung zu ermöglichen. Es ist aber ein wichtiges Hilfsmittel, um die
Frage nach gesundheitlicher Gefährdung für die Allgemeinbevölkerung zu beantworten.
Bei dem statistisch abgeleiteten Bewertungskonzept werden Referenzwerte gebildet.
Hierbei wird aus einer größeren Zahl von repräsentativen Untersuchungen eine
"übliche, durchschnittlich existierende" Schadstoffbelastung der
Innenraumluft ermittelt und als "normal" definiert. Häufig wird das sog. 90.
oder 95. Perzentil als Konzentrationsschwelle genannt, die bei Überschreiten auf eine
unübliche Belastung hinweist. Eine gesundheitliche Bewertung kann mit diesen
Referenzwerten nicht erfolgen. Für neue Substanzen oder Substanzgruppen, die in
die Raumluft gelangen, liegen zunächst keine Referenzwerte vor. Bei einem verstärkten
Einsatz bekannter Substanzgruppen durch Produktionsumstellungen (wie dies bei dem
Ersatz von Lösemitteln in Farben erfolgte) können vorhandene Referenzwerte beständig
überschritten werden. Beide Erscheinungen können aber durch regelmäßige
Aktualisierungen der zugrunde liegenden Zahlen ausgeglichen werden.
Beide Systeme müssen auf die sich verändernde Umwelt reagieren. Bei der
toxikologischen Bewertung führen neue medizinische und toxikologische Erkenntnisse
zum Aktualisierungsbedarf. Bei den statistisch abgeleiteten Werten müssen
Veränderungen der VOC-Konzentrationen im Innenraum aufgenommen werden, die auf Grund
neuer Produktzusammensetzungen und Nutzergewohnheiten entstehen.
Eine vollständige und nutzerspezifische Bewertung einer Innenraumluftbelastung ist
auf beide Konzepte angewiesen. Nur unter Berücksichtigung statistischer Zusammenhänge
und toxikologischer Erkenntnisse können die gesundheitlichen Risiken gewichtet und
die Quellen für Innenraumbelastungen festgestellt werden. Eine geruchliche Belastung
wird allerdings durch keinen der beiden Ansätze befriedigend beantwortet.
Die Praxis zeigt, dass je nach Fragestellung und Situation beide Bewertungsmaßstäbe
wichtig und durch Gutachter mit unterschiedlicher Gewichtung zu nutzen sind. Ergänzt
werden sie durch weitere Bewertungsmaßstäbe oder Bewertungshilfen, wie TVOC-Konzept,
Informationen zu Geruch und die persönliche Erfahrung des Gutachters. Die Verwendung
und gegenseitige Gewichtung dieser Bewertungsmaßstäbe liegt in seiner Verantwortung
und sollte in einem Gutachten nachvollziehbar und plausibel dargestellt werden. Die
nachfolgend veröffentlichten AGÖF-Orientierungswerte unterstützen die Gutachter bei
ihrer Arbeit. Sie stellen zum einen ein aktuelles Kompendium an statistischen
Referenzwerten dar und weisen darüber hinaus auch relevante toxikologische Richtwerte
anderer Autoren, Erfahrungen der AGÖF-Mitglieder und bisher bekannte
Geruchsschwellenwerte aus. Mit deren Hilfe kann der von der AGÖF empfohlene
vorbeugende Gesundheitsschutz durch Minderung der VOC-Belastung in Innenräumen
erreicht werden.
Die neuen Orientierungswerte beruhen auf einem aktualisierten Datenpool aus den
Jahren 2002 bis 2006, der im Rahmen des Forschungsprojekts "Bereitstellung einer
Datenbank zum Vorkommen von flüchtigen organischen Verbindungen in der
Innenraumluft" gewonnen wurde. Probenahmeverfahren und Methodik werden nur im
Überblick dargestellt. Weitere Angaben können dem Projektbericht des
Umweltbundesamtes4 entnommen werden.
Die Probenahme orientierte sich an den Vorgaben der VDI-Richtlinie 4300 Blatt 1 und
Blatt 6, die weitgehend in die DIN EN ISO 16000 eingegangen sind. Die Probenahme
wurde in der Regel nach mindestens 8 Stunden Nichtbelüftung durchgeführt. Die
Erfassung der Luftinhaltsstoffe erfolgte durch aktive Probenahme. Zur Erfassung
der Substanzen waren neben dem Thermodesorptionsverfahren, auch auf Lösemitteldesorption
basierende Verfahren (Aktivkohle oder Anasorb) mit entsprechender Doppelbeprobung zur
Analyse unterschiedlich polarer Verbindungen zugelassen. Die Analyse der desorbierten
Verbindungen erfolgte zumeist gaschromatografisch mit massenselektivem Detektor, zum
Teil mit Flammenionisations- und Elektroneneinfangdetektor.
Zusätzlich wurden Daten zur Aldehyd- und Ketonkonzentrationen aufgenommen, die mit
Impinger (Formaldehyd) und DNPH-basierten Verfahren erfasst und analysiert (Desorption
mit Acetonitril, Analyse mit Hochdruckflüssigkeitschromatografie mit UV-Detektor)
wurden.
Die Teilnehmer des Forschungsprojektes führten zur Qualitätssicherung der
unterschiedlichen Analyseverfahren in den letzten Jahren
Laborvergleichsuntersuchungen5 durch.
Als Orientierungswerte werden nur solche Substanzkonzentrationen aufgeführt, die zum
einen mit einer ausreichenden Anzahl von Messungen in Innenräumen erfasst wurden, und
bei denen der Datenpool von vier oder mehr unterschiedlichen Laboren stammt.
Die aufgenommenen Daten stammen aus anlassbezogenen Messungen, bei denen erhöhte Werte
für einen oder mehrere Parameter erwartet wurden. Deshalb können die Ergebnisse die
Realität unbelasteter Räume nicht direkt abbilden. Es ist vielmehr zu erwarten, dass
einige der Werte der jeweiligen Messungen erhöht sind. Im Rahmen des
Forschungsvorhabens konnte nachgewiesen werden, dass die gewonnenen Daten tatsächlich
nicht normalverteilt sind. Daher behält die AGÖF ihr Vorgehen bei, die 90
Perzentilwerte als Abgrenzung eines als auffällig zu bezeichnenden Bereichs zu wählen.
Wenn ein Konzentrationswert einer Messung für einen Stoff unterhalb der
Bestimmungsgrenze lag, wurde er nicht gleich Null gesetzt, sondern für die Ableitung
der statistischen Kenngrößen (Perzentile) mit dem 0,5-fachen der Bestimmungsgrenze
berücksichtigt.
Gerüche sind nach Gesundheitsbeschwerden der zweithäufigste Anlass für Innenraumuntersuchungen. Anlass für ca. 22 % der von AGÖF-Instituten durchgeführten Innenraumuntersuchungen sind auffällige oder unangenehme Gerüche (s. Abb. 1).
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Abbildung 1: Anlässe für Innenraumuntersuchungen |
Dieser hohe Anteil zeigt, dass der Messung und Beurteilung von Gerüchen in
Innenräumen eine große Bedeutung zukommt.
Im Unterschied zu flüchtigen organischen Verbindungen gibt es jedoch für Gerüche
in Innenräumen bis heute keine erprobten Messmethoden und auch keine etablierten
Bewertungsverfahren.
Mittels sensorischer Methoden, bei denen die menschliche Nase als Messinstrument
verwendet wird, lassen sich Gerüche ausreichend empfindlich messen. Allerdings
wird dieselbe Substanz in identischer Konzentration von verschiedenen Menschen
unterschiedlich wahrgenommen. Hinzu kommt, dass Geruchswahrnehmungen im Hirn
interpretiert und mit Hilfe von Erfahrungswerten individuell unterschiedlich
bewertet werden. Für eine objektive Messung muss daher sichergestellt sein, dass
die Bandbreite der Geruchswahrnehmungen der Prüfer der in der Gesamtbevölkerung
vorhandenen Verteilung entspricht. Ein einzelner Prüfer kann dies naturgemäß nicht
leisten. Sensorische Geruchsmessungen werden daher meist mit mindestens acht bis
zehn Prüfern durchgeführt. In Innenräumen lässt sich dieses Verfahren nur in
Ausnahmefällen anwenden.
Zwar lassen sich manche Geruchstoffe in der Raumluft mit ausreichender
Nachweisempfindlichkeit chemisch analysieren, aber alltägliche Gerüche werden
häufig von komplexen Mischungen mehrerer, manchmal hunderter Einzelsubstanzen
verursacht. Viele dieser Substanzen sind in Konzentrationen von wenigen Nanogramm
pro Kubikmeter Luft bereits wahrnehmbar, aber analytisch kaum erfassbar. Bei der
Bewertung mittels Geruchsschwellen ist zu berücksichtigen, dass sich Geruchsstoffe
in Gemischen wechselseitig beeinflussen können. Wechselwirkungen wie Synergismen
können die geruchlichen Eigenschaften von Substanzgemischen gravierend beeinflussen.
Die chemische Analyse geruchsintensiver Substanzen in der Raumluft reicht daher
häufig nicht aus, um geruchliche Auffälligkeiten vollständig zu erfassen und
sachgerecht zu bewerten.
Für viele Innenraumschadstoffe fehlen Daten zur Geruchsschwelle. Das
Schadstoff-Belastungsprofil der Innenraumluft ist ständigen Veränderungen unterworfen
und über viele der erst seit kurzer Zeit in der Raumluft nachgewiesenen flüchtigen
organischen Verbindungen liegen wenig Informationen vor. Aus Sicht der AGÖF ist es
notwendig, für weitere Stoffe Geruchsschwellenwerte zu ermitteln. Die
AGÖF-Orientierungswerteliste bildet das aktuell vorhandene Belastungsspektrum der
Innenraumluft ab und eignet sich deshalb als Prioritätenliste für die Ermittlung von
Geruchsschwellen.
Die vorhandenen Geruchsschwellenwerte sind von unterschiedlicher Qualität. Neben
aktuellen, mit gut dokumentierten Verfahren ermittelten Geruchsschwellen werden
in der Literatur auch sehr alte, mit inkompatiblen Methoden ermittelte
Geruchsschwellen zitiert.
Trotz all dieser Einschränkungen können anhand von Geruchsschwellen abgeleitete
Orientierungswerte für Einzelsubstanzen in manchen Fällen eine wichtige Hilfestellung
zur Beurteilung einer geruchlichen Auffälligkeit in Innenräumen bieten. So ist eine
durch chemische Analyse der Raumluft ermittelte Überschreitung der Geruchsschwelle
einer oder mehrerer Einzelsubstanzen ein Beleg für eine geruchliche Auffälligkeit.
Umgekehrt aber ist die Einhaltung der Geruchsschwellen aller untersuchten
Einzelsubstanzen aus den oben genannten Gründen kein Beweis für die geruchliche
Unauffälligkeit einer Raumluft.
Die AGÖF hat sich daher entschlossen, in die aktuelle Liste vermehrt
Orientierungswerte auf der Grundlage von Geruchsschwellen aufzunehmen. Als
Datenbasis dienen die von Devos et al. publizierten standardisierten
Geruchsschwellen6.
Geruchsschwellenwerte entsprechen üblicherweise dem 50. Perzentil der
Wahrnehmungsverteilung. Auch unterhalb der Geruchsschwelle einer Substanz nehmen
also noch 50 % der Bevölkerung deren Geruch wahr.
Für Schwefelwasserstoff z.B. liegt die Geruchsschwelle bei 6,6 µg/m3. 16 % der
Bevölkerung nehmen den Geruch von Schwefelwasserstoff noch bei einer Konzentration
von ca. 3 µg/m3, also weniger als der Hälfte der Geruchsschwelle, wahr.
Die AGÖF verfolgt mit der Ableitung von Orientierungswerten auf der Basis von
Geruchsschwellen das Ziel, die Geruchswahrnehmung von mindestens 90% der Bevölkerung
zum Maßstab für die Bewertung von Gerüchen in Innenräumen heranzuziehen. Mit der
Einhaltung eines auf der Basis von Geruchsschwellen abgeleiteten Orientierungswertes
soll sichergestellt werden, dass mindestens 90 % der Bevölkerung diese Substanz
geruchlich nicht wahrnehmen.
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Abbildung 2: Geruchsschwellenkennlinie eines 42-Personen-Kollektivs für Schwefelwasserstoff7 |
Der auf der Basis von Geruchsschwellen abgeleitete Orientierungswert beruht auf folgender Konvention: Aus einem nach DIN EN 13725 oder einem vergleichbaren Verfahren ermittelten Geruchsschwellenwert wird der AGÖF-Orientierungswert mit Hilfe eines Sicherheitsfaktors von 3 abgeleitet. Dieser Vorgehensweise liegt die Annahme zugrunde, dass die Geruchsschwellenverteilung in der Bevölkerung für die in Frage kommenden Substanzen einer Verteilung ähnlich der Geruchsschwellenkennlinie für Schwefelwasserstoff entspricht. Wenn der mit Hilfe des Sicherheitsfaktors 3 aus der Geruchsschwelle berechnete Wert unter dem statistisch ermittelten Auffälligkeitswert (90. Perzentil) einer Substanz liegt, stellt dies aus Sicht der AGÖF eine Auffälligkeit dar, die bei der Bewertung einer Raumluftmessung gesondert zu berücksichtigen ist. Dieser Stoff kann, wenn er in einer Konzentration über dem Orientierungswert vorliegt, zur geruchlich bedingten Beeinträchtigung von entsprechend empfindlichen Personen beitragen, auch wenn er weder für die Mehrzahl der Nutzer noch für den Prüfer geruchlich wahrnehmbar ist.
Spalte 1: Name der Substanz
Spalte 2: zugehörige CAS-Nummer zur eindeutigen Identifizierung
Spalte 3: Anzahl N
Angegeben wird die Anzahl der Daten, die der statistischen Auswertung
hinterlegt sind.
Spalte 4: Normalwert
Der Normalwert stellt die "durchschnittliche" Belastungssituation im
betrachteten Kollektiv dar. Er entspricht dem 50 Perzentilwert. Auch eine
Luftkonzentration im Bereich des Normalwerts geht in der Regel auf eine oder
mehrere Quellen zurück, jedoch wird im Allgemeinen ein ausreichendes Indiz für
einen zwingenden Handlungsbedarf im Sinne einer Minimierung nicht gesehen.
Spalte 5: Auffälligkeitswert
Der Auffälligkeitswert entspricht dem 90 Perzentilwert. Er beschreibt eine
Überschreitung von in Innenräumen üblichen Konzentrationen und deutet damit
auf die Existenz einer entsprechenden Emissionsquelle hin.
Spalte 6: Orientierungswert der AGÖF
Beim Orientierungswert werden neben dem Auffälligkeitswert auch toxikologisch
abgeleitete Werte oder Geruchsschwellenwerte angegeben, wenn diese unter dem
90 Perzentilwert liegen.
Aus Sicht der AGÖF ist bei einem Erreichen bzw. Überschreiten des Orientierungswertes
zu prüfen, ob im Sinne einer vorbeugenden Minimierung der VOC-Belastung ein
weiterer Handlungsbedarf besteht. Auch sollte hier die gesundheitliche Relevanz
und Sanierungsnotwendigkeit geprüft werden. Der Umfang und das Vorgehen bei
dieser Prüfung muss weitestgehend dem Gutachter überlassen werden. Neben den
Gegebenheiten bei der Prüfung sollte er dabei beachten, dass:
Spalte 7: Hinweise
In dieser Spalte finden sich ergänzende Hinweise zu weiteren Bewertungsmaßstäben
für die einzelnen Verbindungen wie die toxikologischen Richtwerte der sog. Ad-hoc-AG.
Diese sind als Richtwertepaar (RWII und RW I) aufgeführt.
Im Bereich des Bundeslandes Hamburg wurden von unterschiedlichen Landesbehörden
Richtwerte zur Bewertung der Innenraumluft in gleicher Sprachgebung wie von der
Ad-hoc-AG abgeleitet, diese werden ebenfalls genannt und entsprechend auch den
Vorgaben der Originalautoren mit "v" für vorläufig gekennzeichnet.
Beide Institutionen haben ihrerseits in jüngerer Vergangenheit auch Richtwerte
für Stoffgemische gebildet, deren analytische Definition und Bestimmung nicht
eindeutig ist (C1-C4-Alkylbenzole, Aliphaten C9 bis C14, C3 bis C6-Alkanale,
bicyclische und monocyclische Terpene). Durch die AGÖF werden im Folgenden
jeweils Hinweise bei den Verbindungen gemacht, die einem dieser Summenwerte
zugeordnet werden können. Weiterhin werden am Ende der Tabelle die Summen genannt,
die sich aus der Addition der zugehörigen Verbindungen ergeben.
Ebenfalls aufgenommen wurden die wirkungsbezogenen Innenraumrichtwerte (WIR) des
Arbeitskreises Innenraumluft am österreichischen Bundesministerium für Land- und
Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft sowie toxikologische Richtwerte bzw.
Richtwertkonzepte weiterer Einzelautoren.
Auch vereinzelte Hinweise auf für bewertende Fragen besonders relevante
Substanzeigenschaften oder Hinweise anderer Organisationen wurden aufgenommen.
Die AGÖF bemüht sich um Aktualität, in Zweifelsfällen sollte die Aktualität der
genannten Richtwerte unter den genannten Links bzw. den Originalstellen überprüft
werden.
1Ad-hoc-Arbeitsgruppe aus Fachleuten der
"Innenraumlufthygiene-Kommission" (IRK) des Umweltbundesamtes und der
Arbeitsgruppe Innenraumluft des Umwelthygieneausschusses der Arbeitsgemeinschaft
der Obersten Landesgesundheitsbehörden (AOLG) |
| Stoffname | CAS | N | Normal- wert P 50 [µg/m3] |
Auffällig- keitswert P 90 [µg/m3] |
Orientie- rungs- wert [µg/m3] |
Hinweise |
| Alkane | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| n-Hexan | 110-54-3 | 2288 | 2,0 | 11,0 | 10 | |
| n-Heptan | 142-82-5 | 2358 | 3,0 | 13,0 | 14 | |
| n-Oktan | 111-65-9 | 2343 | 1,0 | 7,1 | 7 | |
| n-Nonan | 111-84-2 | 2344 | 1,0 | 7,6 | 8 | Ad-hoc-AG: Summe Aliphaten C9-C14 RW I = 200µg/m3 ; RW II = 2000µg/m3 |
| n-Decan | 124-18-5 | 2349 | 2,0 | 20,1 | 20 | |
| n-Undecan | 1120-21-4 | 2362 | 3,0 | 29,0 | 30 | |
| n-Dodecan | 112-40-3 | 2363 | 2,0 | 16,0 | 16 | |
| n-Tridecan | 629-50-5 | 2364 | 1,0 | 5,0 | 5 | |
| n-Tetradecan | 629-59-4 | 2358 | 1,1 | 5,0 | 5 | |
| n-Pentadecan | 629-62-9 | 2352 | 1,0 | 3,4 | 3 | |
| n-Hexadecan | 544-76-3 | 1991 | 1,0 | 3,0 | 3 | |
| n-Heptadecan | 629-78-7 | 926 | 1,0 | 2,0 | 2 | |
| n-Octadecan | 593-45-3 | 838 | 0,5 | 2,0 | 2 | |
| n-Nonadecan | 629-92-5 | 831 | 0,5 | 1,0 | 1 | |
| n-Eicosan | 112-95-8 | 831 | 0,5 | 0,5 | 1 | |
| 2-Methylpentan | 107-83-5 | 863 | 1,7 | 6,1 | 6 | |
| 3-Methylpentan | 96-14-0 | 869 | 0,7 | 5,0 | 5 | |
| 3-Methylhexan | 589-34-4 | 662 | 1,0 | 8,9 | 9 | |
| 2,2,4-Trimethylpentan (Isooctan) | 540-84-1 | 1993 | 0,5 | 1,0 | 1 | |
| 2,2,4,6,6-Pentamethylheptan | 13475-82-6 | 1560 | 0,7 | 6,4 | 6 | |
| 2,2,4,4,6,8,8-Heptamethylnonan | 4390-04-9 | 1281 | 0,5 | 2,0 | 2 | |
| Cycloalkane | ||||||
| Cyclohexan | 110-82-7 | 2365 | 2,0 | 13,0 | 13 | BWG: vRW I = 400µg/m3 ; vRW II = 4000µg/m3 |
| Methylcyclopentan | 96-37-7 | 2356 | 0,9 | 4,1 | 4 | |
| Methylcyclohexan | 108-87-2 | 2330 | 1,0 | 9,0 | 9 | |
| Alkene | ||||||
| 1-Octen | 111-66-0 | 1403 | 0,7 | 1,0 | 2 | |
| 1-Nonen | 124-11-8 | 1110 | 0,7 | 1,0 | 2 | |
| 1-Decen | 872-05-9 | 1105 | 0,9 | 1,0 | 2 | |
| 1-Undecen | 821-95-4 | 1101 | 0,7 | 1,0 | 2 | |
| trimeres Isobuten | 7756-94-7 | 2077 | 0,5 | 1,0 | 1 | |
| 4-Vinylcyclohexen | 100-40-3 | 2032 | 0,5 | 0,5 | 1 | |
| 4-Phenylcyclohexen | 4994-16-5 | 2323 | 0,5 | 0,5 | 1 | |
| Aromaten | ||||||
| Benzol | 71-43-2 | 2361 | 1,7 | 4,0 | 4 | |
| Toluol | 108-88-3 | 2402 | 12,0 | 49,0 | 50 |
RW I = 300µg/m3; RW II = 3000µg/m3 vRW I = 300µg/m3; vRW II = 3000µg/m3 |
| Ethylbenzol | 100-41-4 | 2395 | 2,0 | 13,0 | 4[Anm. 7] | BWG: Summe C1-C4-Alkylbenzole vRW I = 300µg/m3; vRW II = 3000µg/m3 |
| m,p-Xylol | 108-38-3/ 106-42-3 |
2396 | 5,0 | 38,4 | 40 | |
| o-Xylol | 95-47-6 | 2375 | 2,0 | 14,0 | 14 | |
| n-Propylbenzol | 103-65-1 | 2362 | 0,5 | 3,0 | 3 | |
| Isopropylbenzol | 98-82-8 | 2112 | 0,5 | 2,0 | 2 | |
| 2-Ethyltoluol | 611-14-3 | 1944 | 0,5 | 4,0 | 4 | |
| 3-Ethyltoluol | 620-14-4 | 1144 | 1,4 | 10,0 | 10 | |
| 4-Ethyltoluol | 622-96-8 | 1124 | 0,9 | 5,7 | 6 | |
| 1,2,3-Trimethylbenzol | 526-73-8 | 2153 | 0,5 | 4,2 | 4 | |
| 1,2,4-Trimethylbenzol | 95-63-6 | 2375 | 2,0 | 16,0 | 16 | |
| 1,3,5-Trimethylbenzol | 108-67-8 | 2359 | 1,0 | 5,0 | 5 | |
| 1,2,4,5-Tetramethylbenzol | 95-93-2 | 1371 | 0,5 | 1,1 | 1 | |
| n-Butylbenzol | 104-51-8 | 1114 | 0,5 | 2,0 | 2 | |
| p-Cymol | 99-87-6 | 1661 | 0,5 | 3,6 | 4[Anm. 7] | |
| 1,3-Diisopropylbenzol | 99-62-7 | 917 | 0,7 | 0,9 | 1 | |
| 1,4-Diisopropylbenzol | 100-18-5 | 784 | 0,7 | 0,9 | 1 | |
| Naphthalin | 91-20-3 | 1615 | 1,0 | 2,0 | 2[Anm. 1] | RW I = 2µg/m3; RW II = 20µg/m3 |
| Styrol | 100-42-5 | 2374 | 2,0 | 12,1 | 12 | RW I = 30µg/m3; RW II = 300µg/m3 |
| Phenol | 108-95-2 | 1507 | 0,5 | 3,0 | 3 | |
| 2,6-Di-tert.-butyl-4-methyl- phenol (BHT) |
128-37-0 | 834 | 0,5 | 0,5 | 1 | |
| Benzothiazol | 95-16-9 | 601 | 0,5 | 1,0 | 2 | |
| Indan | 496-11-7 | 542 | 0,5 | 2,0 | 2 | |
| Halogenkohlenwasserstoffe | ||||||
| Tetrachlormethan | 56-23-5 | 999 | 0,5 | 1,0 | 1 | |
| 1,1,1-Trichlorethan | 71-55-6 | 2325 | 0,5 | 2,0 | 2 | |
| Trichlorethen (Tri) | 79-01-6 | 1618 | 0,5 | 1,0 | 1 | |
| Tetrachlorethen (Per) | 127-18-4 | 2330 | 0,5 | 1,0 | 1 | |
| 1,2-Dichlorbenzol | 95-50-1 | 1121 | 0,9 | 0,9 | 1 | |
| 1,4-Dichlorbenzol | 106-46-7 | 2283 | 0,5 | 0,9 | 1 | |
| Alkohole | ||||||
| 2-Propanol (Isopropanol) | 67-63-0 | 869 | 15,0 | 74,2 | 75 | |
| 1-Butanol | 71-36-3 | 2284 | 11,0 | 45,7 | 45 | |
| Isobutanol (2-Methyl-1-propanol) | 78-83-1 | 1277 | 3,0 | 21,7 | 20 | |
| Isoamylalkohol (3-Methyl-1-butanol) | 123-51-3 | 729 | 0,3 | 0,7 | 1 | |
| 1-Pentanol | 71-41-0 | 462 | 1,8 | 6,6 | 7 | |
| 1-Hexanol | 111-27-3 | 445 | 0,4 | 2,1 | 2 | |
| 2-Ethyl-1-Hexanol | 104-76-7 | 2283 | 2,4 | 12,8 | 12 | |
| 1-Octen-3-ol | 3391-86-4 | 746 | 0,2 | 0,3 | 1 | |
| Benzylalkohol | 100-51-6 | 746 | 0,5 | 4,2 | 4 | |
| Terpene | ||||||
| alpha-Pinen | 80-56-8 | 2395 | 8,0 | 93,0 | 95 | Ad-hoc-AG: Summe bicyclischer Terpene RW I = 200µg/m3; RW II = 2000µg/m3 |
| beta-Pinen | 127-91-3 | 2362 | 1,0 | 12,0 | 12 | |
| delta-3-Caren | 13466-78-9 | 2379 | 2,5 | 34,0 | 35 | |
| Limonen | 138-86-3 | 2394 | 6,0 | 33,3 | 35 | BWG: Summe monocycl. Terpene vRW I = 200µg/m3; vRW II = 2000µg/m3 |
| beta-Linalool | 78-70-6 | 748 | 0,5 | 1,0 | 1 | |
| Campher | 76-22-2 | 1321 | 0,9 | 1,3 | 2 | Ad-hoc-AG: Summe bicyclischer Terpene RW I = 200µg/m3; RW II = 2000µg/m3 |
| Camphen | 79-92-5 | 1455 | 0,7 | 3,0 | 3 | |
| Eucalyptol | 470-82-6 | 1334 | 1,0 | 2,3 | 2 | |
| Menthol | 89-78-1 | 796 | 0,5 | 1,0 | 1 | |
| alpha-Terpinen | 99-86-5 | 999 | 0,5 | 0,5 | 1 | |
| gamma-Terpinen | 99-85-4 | 718 | 0,7 | 0,9 | 1 | |
| Borneol | 507-70-0 | 615 | 0,5 | 2,0 | 2 | Ad-hoc-AG: Summe bicyclischer Terpene RW I = 200µg/m3; RW II = 2000µg/m3 |
| Isolongifolen/ Isolongicyclen | 1135-66-6 | 1227 | 0,9 | 0,9 | 2 | |
| Longifolen | 475-20-7 | 2047 | 0,9 | 2,0 | 2 | |
| Verbenon | 1196-01-6 | 539 | 0,5 | 1,0 | 1 | Ad-hoc-AG: Summe bicyclischer Terpene RW I = 200µg/m3; RW II = 2000µg/m3 |
| beta-Caryophyllen | 87-44-5 | 1190 | 0,9 | 1,1 | 2 | |
| beta-Citronellol | 106-22-9 | 731 | 0,5 | 0,5 | 1 | |
| Aldehyde | ||||||
| Formaldehyd | 50-00-0 | 446 | 32,5 | 84,5 | 30[Anm. 6] | |
| Acetaldehyd | 75-07-0 | 297 | 23 | 72,2 | 70 | B.A.U.CH. (b): Summe C2-C10 n-Aldehyde RW = 60 ppb |
| Propanal | 123-38-6 | 274 | 4,0 | 17,7 | 18 | vRW II = 1000µg/m3 |
| n-Butanal | 123-72-8 | 1742 | 3,0 | 11,0 | 9[Anm. 7] | vRW II = 1000µg/m3 |
| n-Pentanal | 110-62-3 | 2297 | 5,0 | 24,2 | 7[Anm. 7] | vRW II = 1000µg/m3 |
| n-Hexanal | 66-25-1 | 2318 | 14,0 | 67,0 | 19[Anm. 7] | |
| n-Heptanal | 111-71-7 | 2109 | 2,0 | 7,8 | 8[Anm. 7] | |
| n-Octanal | 124-13-0 | 2100 | 3,0 | 9,0 | 2[Anm. 7] | |
| n-Nonanal | 124-19-6 | 2309 | 7,0 | 21,0 | 4[Anm. 7] | |
| n-Decanal | 112-31-2 | 2051 | 2,0 | 7,5 | 2[Anm. 7] | |
| Benzaldehyd | 100-52-7 | 1564 | 3,5 | 10,0 | 10 | |
| Furfural | 98-01-1 | 358 | 1,0 | 2,0 | 2 | |
| Ketone | ||||||
| 2-Butanon (Methylethylketon MEK) | 78-93-3 | 2285 | 5,0 | 42,2 | 40 | |
| 2-Hexanon (Methylbutylketon MBK) | 591-78-6 | 830 | 0,2 | 1,4 | 1 | |
| 4-Methyl-2-pentanon (Methylisobutylketon MIBK) | 108-10-1 | 2433 | 1,0 | 7,7 | 8 | |
| 2-Heptanon | 110-43-0 | 771 | 0,5 | 1,9 | 2 | |
| 3-Heptanon | 106-35-4 | 862 | 0,4 | 1,5 | 2 | |
| 3-Octanon | 106-68-3 | 763 | 0,2 | 0,2 | 1 | |
| Acetophenon | 98-86-2 | 1252 | 1,6 | 4,0 | 4 | |
| Cyclohexanon | 108-94-1 | 2412 | 1,0 | 4,0 | 4 | |
| N-Methyl-Pyrrolidon | 872-50-4 | 2003 | 1,0 | 5,0 | 5 | BWG: vRW I = 40µg/m3; vRW II = 400µg/m3 |
| Ester ein- und zweiwertiger Alkohole | ||||||
| Ethylacetat | 141-78-6 | 2371 | 4,0 | 38,0 | 40 | |
| n-Propylacetat | 109-60-4 | 1250 | 1,0 | 1,3 | 2 | |
| Isopropylacetat | 108-21-4 | 1501 | 0,9 | 1,3 | 2 | |
| n-Butylacetat | 123-86-4 | 2371 | 3,1 | 49,8 | 10[Anm. 7] | |
| Isobutylacetat | 110-19-0 | 2143 | 0,5 | 4,0 | 4 | |
| 3-Methoxybutylacetat (Butoxyl) | 4435-53-4 | 865 | 0,5 | 0,9 | 1 | |
| Ameisensäurebutylester (n-Butylformiat) | 592-84-7 | 818 | 0,5 | 2,0 | 2 | |
| Benzoesäuremethylester (Methylbenzoat) | 93-58-3 | 606 | 0,5 | 2,5 | 3 | |
| Acrylsäuremethylester (Methylacrylat) | 96-33-3 | 862 | 0,5 | 0,5 | 1[Anm. 7] | |
| Acrylsäureethylester (Ethylacrylat) | 140-88-5 | 819 | 0,5 | 0,5 | 1 | |
| Acrylsäurebutylester (Butylacrylat) | 141-32-2 | 896 | 0,5 | 0,5 | 1 | |
| Methacrylsäuremethylester (Methylmethacrylat) | 80-62-6 | 1828 | 0,5 | 2,0 | 2 | BWG: vRW I = 100µg/m3; vRW II = 1000µg/m3 |
| Ethylenglykolmonomethyl- etheracetat (EGMMA, 2-Methoxyethylacetat) |
110-49-6 | 1958 | 0,5 | 0,9 | 1 | |
| Ethylenglykolmonoethyl- etheracetat (EGMEA, 2-Ethoxyethylacetat) |
111-15-9 | 2228 | 0,7 | 1,0 | 2 | |
| Ethylenglykolmonobutyl- etheracetat (EGMBA, 2-Butoxyethylacetat) |
112-07-2 | 2022 | 0,5 | 0,7 | 1 | |
| Propylenglykolmonomethyl- etheracetat (PGMMA, 1-Methoxy-2-propylacetat) |
108-65-6 | 2035 | 1,0 | 12,0 | 12 | |
| Dipropylenglykolmonomethyl- etheracetat (DPGMMA) |
88917-22-0 | 735 | 0,5 | 0,5 | 1 | |
|
Diethylenglykolmonobutyl- etheracetat (DEGMBA) |
124-17-4 | 1948 | 0,5 | 2,0 | 2 | |
| TXIB (2,2,4-Trimethyl-1,3- pentandiol-diisobutyrat) | 6846-50-0 | 2165 | 0,9 | 4,0 | 4 | BWG: vRW II = 1000µg/m3 |
| Texanol | 25265-77-4 | 2176 | 0,7 | 4,0 | 4 | |
| Dimethylsuccinat | 106-65-0 | 763 | 0,5 | 1,8 | 2 | |
| Dimethylglutarat | 1119-40-0 | 766 | 0,5 | 1,1 | 2 | |
| Dimethyladipat | 627-93-0 | 793 | 0,5 | 1,8 | 2 | |
| Dibutylmaleinat | 105-76-0 | 1392 | 0,5 | 1,0 | 1 | |
| Dimethylphthalat | 131-11-3 | 1277 | 0,5 | 2,0 | 2 | |
| Diethylphthalat | 84-66-2 | 821 | 1,0 | 3,0 | 3 | |
| Di(n-butyl)phthalat (DBP) | 84-74-2 | 738 | 0,5 | 3,0 | 3 | |
| Diisobutylphthalat (DIBP) | 84-69-5 | 727 | 1,0 | 4,0 | 4 | B.A.U.CH. (c): 2,8 µg/m3 |
| Essigsäure-Bornylester (Bornylacetat) | 76-49-3 | 621 | 0,7 | 1,0 | 2 | |
| Mehrwertige Alkohole und deren Ether (Glykol und Glykolether) | ||||||
| 1,2-Propylenglykol | 57-55-6 | 1965 | 2,5 | 17,0 | 18 | |
| Ethylenglykolmonomethyl- ether (EGMM, 2-Methoxyethanol) |
109-86-4 | 2190 | 2,5 | 3,0 | 4 | |
| Ethylenglykolmonoethyl- ether (EGME, 2-Ethoxyethanol) |
110-80-5 | 2238 | 0,5 | 2,5 | 3 | |
| Ethylenglykolmonobutyl- ether (EGMB, 2-Butoxyethanol) |
111-76-2 | 2096 | 2,3 | 18,1 | 18 | |
| Ethylenglykolmonophenyl- ether (EGMP, 2-Phenoxyethanol) |
122-99-6 | 2240 | 1,0 | 9,2 | 9 | B.A.U.CH. (d): RW = 300 µg/m3 (Toxizität), RW = 100 µg/m3 (Geruch) |
| Diethylenglykolmonomethyl- ether (DEGMM, Methyldiglykol) |
111-77-3 | 1842 | 3,0 | 8,5 | 8 | |
| Diethylenglykolmonoethyl- ether (DEGME, Ethyldiglykol) |
111-90-0 | 1888 | 2,5 | 8,5 | 9 | |
| Diethylenglykolmonobutyl- ether (DEGMB, Butyldiglykol) |
112-34-5 | 2194 | 1,5 | 13,9 | 14 | |
| 1,2-Propylenglykolmonomethyl- ether (1,2-PGMM, 1-Methoxy-2-propanol) |
107-98-2 | 2239 | 3,0 | 23,0 | 25 | |
| 1,2-Propylenglykolmonobutyl- ether (PGMB, 1-Butoxy-2-propanol) |
5131-66-8 | 1531 | 1,3 | 3,0 | 3 | |
| 1,2-Propylenglykolmonophenyl- ether (PGMP, 1-Phenoxy-2-propanol) |
770-35-4 | 1152 | 0,6 | 2,0 | 2 | |
| Dipropylenglykolmonomethyl- ether (DPGMM) |
34590-94-8 | 1278 | 0,5 | 7,0 | 7 | |
| Dipropylenglykolmonobutyl- ether (DPGMB) |
29911-28-2 | 1932 | 1,0 | 4,7 | 5 | |
| Tripropylenglykolmonobutyl- ether |
55934-93-5 | 1911 | 1,0 | 6,0 | 6 | |
| Siloxane | ||||||
| Hexamethyltricyclosiloxan (D3) | 541-05-9 | 1659 | 1,0 | 9,0 | 9 | |
| Octamethyltetracyclosiloxan (D4) | 556-67-2 | 1728 | 1,5 | 9,8 | 10 | |
| Decamethylpentacyclosiloxan (D5) | 541-02-6 | 1646 | 4,3 | 30,4 | 30 | BWG: vRW I = 300µg/m3; vRW II = 3000µg/m3 |
| Sonstige Verbindungen | ||||||
| Methyl-tert.-butylether (MTBE) | 1634-04-4 | 890 | 1,7 | 2,5 | 3 | |
| Tetrahydrofuran (THF) | 109-99-9 | 1414 | 0,5 | 2,5 | 3 | |
| 2-Pentylfuran | 3777-69-3 | 954 | 0,5 | 2,0 | 2 | |
| 1,4-Dioxan | 123-91-1 | 893 | 1,0 | 5,0 | 5 | |
| Summenwerte | ||||||
| TVOC VDI/ECA | 382 | 380 | 1.636 | 1.000 [Anm. 8] |
Seifert: Bewertungskonzept TVOC [Anm. 8] Ad-Hoc-AG: "Handreichung" [Anm.5] |
|
| ∑ C1 – C4-Alkylaromaten | 1929 | 30 | 168 | 170 | Ad-hoc-AG: Element der Summe C1-C4-Alkylbenzole RW I = 300µg/m3; RW II = 3000µg/m3 |
|
| ∑ bicyclische Terpene | 2351 | 12 | 150 | 150 | Ad-hoc-AG: Element der Summe bicyclischer Terpene
RW I = 200µg/m3; RW II = 2000µg/m3 |
|
| ∑ monocyclische Terpene | 2381 | 6 | 34 | 35 | BWG: Element der Summe monocycl. Terpene vRW I = 200µg/m3; vRW II = 2000µg/m3 |
|
| ∑ C3 – C6-Alkanale | 1737 | 21 | 96 | 95 | BWG: Element der Summe Alkanale C3-C6: vRW I = 100µg/m3; vRW II = 1000µg/m3 |
|
Ad-hoc-AG: Ad-hoc Arbeitsgruppe Innenraumrichtwerte der Innenraumlufthygiene-Kommision
des UBA und der AG der Obersten Landesbehörden (AOLG)
Hier insbesondere: Ad-hoc-Arbeitsgruppe der Innenraumlufthygiene-Kommission des
Umweltbundesamtes und der AGLMB (1996): Richtwerte für die Innenraumluft: Basisschema.
Bundesgesundheitsblatt 39: 422-426.
B.A.U.CH.: Beratung und Analyse – Verein für Umweltchemie
BGA: Bundesgesundheitsamt; (mittlerweile aufgegangen u.a. in
Bundesinstitut für Risikobewertung)
Hier insbesondere "Zur Gültigkeit des 0,1-ppm-Wertes für Formaldehyd".
Bundesgesundheitsblatt 35 (1992) S. 482-483
BimschV: Bundesimissionsschutzverordnung
Hier insbesondere: 2. BimschV (1990): Verordnung zur Emissionsbegrenzung von
leichtflüchtigen halogenierten organischen Verbindungen
Hier insbesondere: 22. BimschV (2002): Verordnung über Immissionswerte für
Schadstoffe in der Luft
BMLFUW: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und
Wasserwirtschaft (Österreich)
Hier insbesondere: Arbeitskreis Innenraumluft am BMLFUW und der Österreichischen
Akademie der Wissenschaften.
Nachzulesen unter:
http://www.innenraumanalytik.at/
BUI: Bremer Umweltinstitut
Hier insbesondere ZORN, C.; KÖHLER, M.; WEIS, N.; SCHARENBERG, W (2005): Proposal
for Assessement of Indoor Air polycylic aromatic hydrocarbon (PAH). 10th
International Conference on Indoor Air Quality and Climate. Beijing, China
Siehe auch
www.bremer-umweltinstitut.de
BWG = Hamburger Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz, früher Hamburger
Behörde Umwelt und Gesundheit bzw. Gesundheit und Soziales
Hier insbesondere:
VOC-Tabelle 1: http://www.hamburg.de/contentblob/122306/data/voc-tab1.pdf und
VOC-Tabelle 2: http://www.hamburg.de/contentblob/122308/data/voc-tab2.pdf.
RW = Richtwert
vRW = vorläufiger Richtwert
WHO: World health organization (Weltgesundheitsorganisation)
Hier insbesondere "Regional office for Europe" – WHO Air Quality Guidelines
2000 (Second edition)
http://www.euro.who.int/__data/assets/pdf_file/0005/74732/E71922.pdf
WIR = Wirkungsbezogene Innenraumrichtwerte
[Anm 1]: Eine Belastung mit Naphthalin kann auf die Anwesenheit einer
komplexeren Belastung mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen
hinweisen. Dies wird empfohlen zu überprüfen und ggf. entsprechend zu bewerten.
[Anm 2]: Formaldehydkonzentrationen sind in erheblichem Maß von klimatischen
Bedingungen im Raum bzw. an den Emissionsquellen abhängig. Bei einem Überschreiten
von 60 µg/m3 bei klimatischen Bedingungen, die geringe Formaldehydemissionen aus
Materialien zulassen, kann erfahrungsgemäß bei gleicher Quellensituation unter
anderen klimatischen Bedingungen eine Belastung im Bereich der Richtwerte der WHO
oder des BGA resultieren (etwa Winter-/Sommereffekte). Dies wird durch einen
Prüfwert berücksichtigt, der dazu anregen soll, die Formaldehydbelastung ggf.
unter anderen klimatischen Bedingungen erneut zu überprüfen.
[Anm 3]: Vorsorgerichtwert basierend auf Geruchsbelästigung nach Marchl, D. (1998):
Raumluftbelastungen durch Glykolverbindungen. In Diel, Feist, Krieg und Linden:
Ökologisches Bauen und Sanieren. C.F. Müller Verlag. ISBN 3-7880-9901-1. S. 71-77
[Anm 4] Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat in einer jüngeren Stellungnahme
bestätigt, dass Formaldehyd als krebserregend beim Einatmen anzusehen ist. Allerdings
bestünde eine Konzentrationsabhängigkeit der Wirkung und es wird dort in der
Einschätzung der bisher gültige Richtwert von 0,1 ppm (124 µg/m3) bestätigt,
der praktisch keine krebsauslösende Wirkung mehr erwarten ließe.
[Anm. 5]: Ad-hoc-AG: Beurteilung von Innenraumluftkontaminationen mittels Referenz-
und Richtwerten. Bundesgesundheitsblatt 7 (2007)
[Anm. 6]: siehe Hinweise; BWG
[Anm. 7]: Auffälligkeitswert wegen niedriger Geruchsschwelle siehe Kapitel 4
[Anm. 8]: Nach Vorschlag der IRK soll in Räumen, die für einen längerfristigen
Aufenthalt bestimmt sind, auf Dauer ein TVOC-Wert zwischen einem und drei Milligramm
pro Kubikmeter nicht überschritten werden. Siehe auch: Seifert, B.: Richtwerte für
die Innenraumluft: Die Beurteilung der Innenraumluftqualität mit Hilfe der Summe
der flüchtigen organischen Verbindungen (TVOC-Wert). Bundesgesundheitsblatt -
Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 42 (1999) S. 270-278.
© AGÖF Stand: 10.10.08