Phenole und Kresole


Luftanalytik: Die Analyse von Phenolen und Kresolen wird in Anlehnung an die VDI-Richtlinie 3482, Blatt 6 durchgeführt. Die Probenahme erfolgt auf Sammelröhrchen, die mit dem Adsorptionsmittel TENAX gefüllt sind. Diese Röhrchen werden in speziellen Transportbehältern zusammen mit einer detaillierten Probenahmeanleitung von ALAB bezogen. Die Röhrchen werden mit 2 Liter Luft bei einem Volumenstrom von ca. 100 ml/min beladen. Die Analyse erfolgt nach thermischer Desorption gaschromatographisch mit massenselektivem Detektor.

Materialanalytik: Materialproben werden zur Untersuchung auf Phenole und Kresole in einem kleinen Prüfraum bei 60°C zwei Stunden lang im Reingasstrom extrahiert. Der beladene Extraktionsgasstrom wird durch ein TENAX-Sammelröhrchen geleitet. Der weitere Analysengang entspricht der Luftanalytik.

Viele Phenole und Kresole wirken fungizid und bakterizid. Sie werden daher als Wirkstoffe in Desinfektionsmitteln wie Sagrotan oder Wofasept und zur Konservierung z.B. von Leim, Klebstoffen und Tinten eingesetzt. Mit Siedepunkten von 200 °C und darüber (4-Chlor-m-kresol: Sdp. 235°; 3-Chlor-p-kresol: Sdp. 228°; 6-Chlor-m-kresol: Sdp. 196°) gehören viele dieser Wirkstoffe zu den mittel- bis schwerflüchtigen Substanzen, die über längere Zeiträume hinweg ausgasen können.

Auch zur Herstellung von Kunststoffen und wasserfesten Bindemitteln werden Phenole verwendet. Vor allem manche mit Phenolharzen gebundene Spanplatten können in Innenräumen eine Quelle für Phenole darstellen. Diese Spanplatten sind an Ihrem intensiven charakteristischen Geruch erkennbar.

Bodenbelagskleber auf der Basis von phenolhaltigen Klebstoffen waren vor allem in der DDR in den 50er und 60er Jahren gebräuchlich. Besonders beim Entfernen alter Bodenbeläge kommt es immer wieder zu massiven Geruchsbelästigungen durch ausgasende Phenole.

Bodenbeläge aus einem Gemisch von Holzschnitzeln und mineralischem Bindemittel - sog. Steinholzestrich - können nach neueren Erkenntnissen ebenfalls eine Quelle für geruchsintensive Phenole in der Raumluft darstellen. Das Holz in Steinholzestrich kann geringe Mengen an Phenolverbindungen enthalten. Phenol selbst ist im Holz jedoch nicht enthalten, sondern entsteht durch Dehydrierung und Spaltung aus hydroaromatischen Verbindungen. Durch äußere Einflüsse (Feuchtigkeit, pH-Wert) kann dieser Prozess beschleunigt und Phenol vermehrt aus den Holzschnitzeln freigesetzt werden.

zum Seitenanfang

Teeröle werden durch Erhitzen von Steinkohle oder Holz unter Luftabschluss erzeugt. Dabei entstehen neben anderen giftigen und krebserzeugenden Substanzen große Mengen an Phenolen und Kresolen. Die biozide Wirkung dieser Substanzen macht Teeröle zu wirksamen Holzschutzmitteln ("Carbolineum"). Allein schon wegen ihres intensiven Geruchs sollten Carbolineen zumindest in Innenräumen nicht angewendet werden, von der Giftigkeit der Inhaltsstoffe ganz zu schweigen. Die Realität sieht leider anders aus: immer wieder treffen wir z.B. in Dachgeschossen auf Holzkonstruktionen, die aufgrund des Geruchs unschwer als mit Carbolineum behandelt zu identifizieren sind.

Eine eher ungewöhnliche Quelle für Phenol und Kresole in Innenräumen entdeckten wir vor einigen Jahren bei der Suche nach der Ursache einer massiven Geruchsbelastung. In einem ehemals gewerblich genutzten Gebäude, in dem nach Angaben der Eigentümer früher Kunststoffschläuche aus PVC produziert wurden, roch es nach dem Umbau zu Büroräumen intensiv nach Phenol. Die Herkunft des Geruchs konnte im Deckenaufbau lokalisiert werden. Die Deckensteine waren gesättigt mit einer klebrigen Flüssigkeit, die Phenol und Kresole in hohen Konzentrationen enthielt. Es handelte sich offensichtlich um eine durch die frühere Nutzung verursachte Chemikalien - Kontamination.

Viele Phenole und Kresole sind bereits in Konzentrationen von wenigen Mikrogramm pro Kubikmeter Luft geruchlich wahrnehmbar. Der unangenehme Geruch ist daher meist Anlass für Nachforschungen und Messungen. Der Annahme, die Warnwirkung des Geruchs setze bei so niedrigen Phenol - Konzentrationen ein, dass gesundheitliche Auswirkungen auszuschließen sind, muss jedoch deutlich widersprochen werden. Phenol und viele Kresole gelten als krebserzeugend und bewirken somit immer ein von der Konzentration abhängiges zusätzliches Krebsrisiko. Aus diesem Grund gibt es für Phenol und die Kresol - Isomere ortho-, meta- und para-Kresol auch keine Luft - Grenzwerte für Arbeitsplätze (MAK-Werte).

Als Anzeichen chronischer Vergiftung werden Hustenreiz, Kopfschmerz, Brechreiz, Appetitverlust, Mattigkeit und Schlaflosigkeit genannt. Wie bei anderen Innenraum-Schadstoffen handelt es sich dabei aber um recht unspezifische Symptome, für die eine Vielzahl von möglichen Ursachen denkbar sind.

Phenol und viele Kresole werden sehr schnell über die Haut aufgenommen. Beim direkten Hautkontakt z.B. mit teerölhaltigen Holzschutzmitteln besteht daher die Gefahr resorptiver Vergiftungen mit Nierenschäden und zentralnervösen Störungen wie Krämpfen, Bewusstlosigkeit und Atemlähmung.

zum Seitenanfang

© AGÖF / Verfasser: Peter Braun / ALAB / Internet: www.alab-berlin.de
Stand: August 2003

Schadstoffe Schadstoffe allgemein »Chemische Schadstoffe Asbest Bitumen und Teer Chloranisole Flammschutzmittel Formaldehyd Holzschutzmittel Insektizide Isothiazolone aus Wandfarben Künstliche Mineralfasern Nicotin Organozinn Verbindungen PAK PCB »Phenole und Kresole Radon Schwarzstaub/ MagicDust VOC/ SVOC/ MVOC Weichmacher Biologische Belastungen Elektrosmog Praxisfälle & Diskussion